Fast ein Jahr ist es nun her, dass ich den letzten Blogbeitrag in meinem Streamtagebuch verfasst habe. Statt das schlecht zu finden, möchte ich mich einfach freuen, dass ich diese so beliebte Blogserie hiermit weiterführe.

Seit nunmehr einem Jahr und knapp 15 Monaten gibt es meinen Kanal und das möchte ich dafür nutzen, einen Blick auf die Gesamtentwicklung zu werfen, aber auch einzelne Themen herauszugreifen, die mich besonders beschäftigt haben.

Kurzgefasst sind dieses Mal meine Themen:

  • Der Stand meines Streams: Blick auf die Jahresentwicklung meines Kanals in Zahlen
  • Vollzeitjob und Streamen
  • Wie ich meine Vorlieben stärker einbringen kann
  • Hilft viel Streamen allein?
  • und wie immer meine Lessons-Learned und Danksagung

Stand meines Streams

Seit einiger Zeit stellt Twitch eine deutlich erweiterte Möglichkeit bereit, die Zahlen des eigenen Streams auszuwerten. Daher stelle ich hier für alle Zahleninteressierten einen Screenshot der Entwicklung seit Streamtagebuch #5 zur Verfügung:

Statistiken aus der Twitch Kanalanalyse von twitch.tv/t3llstory vom 29.10.2018. Die Balken zeigen die Anzahl der der Aufrufe je Monat. Zusatzinformation: 1.) Streamzeit insgesamt in diesem Zeitraum: 189 Std. = 7,8 Tage ; 2.) Aktive Abos am 29.10.2019: 9

Ich habe lange überlegt, ob ich die Einnahmen im Screenshot zeigen sollte. Ich habe mich für Transparenz und einen Blick hinter die Kulissen entschieden. So kann die Entwicklung meines Kanals als Beispiel dienen, wie es laufen kann. Wie die meisten wissen, verwende ich meine Einnahme rein für den Stream — von der ersten und bisher einzigen Auszahlung habe ich mein aktuelles Mikrofon teilfinanziert.

In Stichpunkten zusammengefasst habe ich, im Vergleich zum ersten halben Jahr meiner Zeit als Streamer:

  1. Meine Aufrufe verdreifacht
  2. Meine Follower verdoppelt
  3. Aktuell 8 laufende Abos (inkl. Geschenkabos) mehr als damals

Den deutlichen Einschnitt bei den Live Aufrufen Mitte 2018 bespreche ich im nächsten Abschnitt, aber er beschreibt ziemlich genau meine sinkende und wieder steigende Aktivität. Rechnet man es hoch, wird vor allem eines klar: Verglichen zum ersten halben Jahr ist das Wachstum bei den Aufrufen nicht größer geworden, sondern eher geringer(!). Die Followerzahl hat sich nur verdoppelt. Sie ist innerhalb von knapp 11 Monaten gerade einmal genauso gewachsen, wie es in den ersten 6 Monaten allein der Fall war. Eine genauere Analyse liefere ich hier nicht mit, weil es zu viele Faktoren gibt, die eine Rolle spielen können. Jedoch wird klar: Weniger Aktivität wirkt sich auch langfristig aus.

Mir fiel außerdem ein weiterer interessanter Punkt auf. Ich hatte immer angenommen, dass ich aktuell mehr streamen würde als jemals zuvor. Das ist nicht der Fall. Die meisten Stunden pro Monat habe ich im Dezember 2017 erzielt und erreiche jetzt erst wieder das Niveau von November und Dezember 2017. So viel zu gefühlter und echter Statistik. Jedoch wird der geneigte Statistiker auch sagen: Warten wir besser die Streams im November und Dezember ab, um einen verlässlicheren Vergleich zu wagen. Vielleicht wird in den kalten Monaten und in der Weihnachts- und Jahreswechselzeit einfach mehr Twitch geschaut.

Für mehr Statistiken schaut gern auch auf https://twitchtracker.com/t3llstory/statistics.


Vollzeitjob und Streamen

Ich gehe seit den Anfängen meines Kanals einem Vollzeitjob als Projektmanager und mittlerweile als Kundenentwickler in einer Marketingagentur nach. Zusätzlich zu diesem (und jedem anderen Vollzeitjob) regelmäßig zu streamen, ist anspruchsvoll. Ich persönlich bin sehr oft kaputt nach der Arbeit und brauche meine Ruhezeit. Das hat bis etwa September diesen Jahres dazu geführt, dass ich sehr wenig bzw. wochenlang gar nicht gestreamt habe. Auch die Motivation fehlte oft. Hin und wieder habe ich auch ernsthaft überlegt, aufzuhören oder war sehr kritisch gegenüber den Streams, die ich gemacht habe. Niemand sollte unterschätzen, welchen Aufwand es bedeutet, neben einem vollen Job und ggf. Familie ernsthaft streamen zu wollen. Das erfordert viel Energie.

Und dann war da noch, dass ich wegen akuter psychischer Überlastung im Job über einen Monat nicht mehr arbeiten konnte. Wer die Agenturbranche kennt, weiß, dass sie sowohl abwechslungsreich und spannend ist, aber auch zuweilen einen hohen Preis einfordert. Die Gefahr von Überstunden, Stress und Konflikten vor allem mit Kunden ist hoch.

Ich gehe damit offen um, sowohl privat, als auch im Stream oder auf der Arbeit. Ich habe das Glück dadurch sehr viel gelernt zu haben und ich gehe gestärkt daraus hervor. Wenn ihr dazu also mehr wissen wollt, sprecht mich gern an. Das Thema psychischer Stress ist unheimlich wichtig für jeden einzelnen.

Achtet darauf wie es euch geht und hört in euch, aber auch auf eure Lieben, wann der Stream besser ausbleiben sollte. Wenn ihr das beachtet, geht raus und macht richtig geile Streams.

Hörtipp: Die Streamerinnen Falballa und Pewy haben eine Podcast zur Entwicklung von Twitch gemacht, wo es u.a. auch um das Streamen als (Neben-)Job geht. Kann ich sehr empfehlen!
https://soundcloud.com/user-614230235/ballabla-005-twitch-changes-feat-pewy


Wie ich meine Vorlieben stärker einbringen kann

Viele meiner Tagebucheinträge drehen sich um Gedanken rund um den Content. Ich denke, dass Content ohnehin etwas sehr Veränderliches ist und sich nach vielen Faktoren richtet, z.B. nach vorhandener Zeit, investiertem Geld, erlangter Aufmerksamkeit durch das Publikum oder schlicht die eigene Motivation. Eine Erkenntnis ist jedoch aus meiner Sicht unumstößlich und auch nach fast 1,5 Jahren gültig:

Dein Content sollte idealerweise zu dem Passen, was du bist und/oder was du gern tust.

Klingt einfach, ist aber doch kein leichtes, denn das ist kontinuierliche Arbeit. Allein diese Blogserie zeigt, wie viele Gedanken sich gemacht werden können. “Können” nicht “müssen”.

Um es klarer zu erklären, worum es mir geht, spiele ich dies an mir selbst einmal durch:

Ich bin eine neugierige Person, die Vielseitigkeit sehr schätzt und viele Dinge spannend finden kann. Das drückt sich in der Auswahl meiner Spiele, aber auch in den vielen Ideen aus, die ich im Kopf habe. Den Ansatz, sich nur auf storylastige Spiele zu stürzen, habe ich deshalb verabschiedet. Zudem ist es wohl immer ein Thema, dass Spiele oder Formate mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr fesseln werden. Das heißt auch, dass mein Wunsch, abwechslungsreichen Content abseits vom reinen Gaming zu bieten, nach wie vor stark ist. Und da spreche ich nicht nur von Interviews oder Podcasts, sondern beispielsweise auch von Bildungsinhalten. Das könnte ich mir gut vorstellen.

Ich möchte mich, egal ob beruflich oder privat, immer weiterentwickeln. Mein Weg ist ein ständiger Reflektionsprozess, mit allen Vor- und Nachteilen. Das drückt sich allein schon in den vielen Gesprächen mit euch im Chat aus. Eine bisher zu wenig genutzte Quelle ist übrigens euer Feedback, welches ich gern regelmäßig im Discord und im Chat annehme. Andere Perspektiven helfen.

Zudem liegt es mir sehr am Herzen, etwas weiterzugeben. Zum Beispiel anderen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, dass sie Ihre eigenen Schritte gehen können — Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Oder einfach ein offenes Ohr für andere zu haben. Das drückt sich u.a. darin aus, wie viel Energie ich aus einem aktiven Chat ziehen kann. Während meiner Streamwoche habe ich das deutlich gemerkt, als ca. 5–10 Zuschauer aktiv im Chat waren. Der Flow war unglaublich. Aber das geht auch im 1zu1 Gespräch, wie ich es mit dem lieben Eno ebenfalls in der Streamwoche hatte.

Außerdem steckt in mir aber auch eine kleine Rampensau, die manchmal raus möchte. Wie ich das auffange, weiß ich noch nicht ganz genau.

Mir hilft es, meine Vorlieben mit dem, was ich tue zu verbinden und regelmäßig abzugleichen, ob es denn passt. Wenn das nicht passt, ist das oft ein Indiz dafür, dass ich auf lange Sicht keine Freude daran finden werde.


Hilft viel Streamen allein?

Zugegeben, die Überschrift dieses Abschnitt deutet schon die Richtung meiner Gedanken an, aber lasst sie mich ausführen. In einem meiner früheren Tagebucheinträge schrieb ich darüber, dass viel und regelmäßig zu streamen, effektiver für das Channelwachstum ist, als aufwendiger Content. Nach wie vor stehe ich auf diesem Standpunkt und nach wie vor gilt diese Aussage mit der Einschränkung: Wenn man nur auf die reinen Zahlen schaut.

Seit August habe ich wieder vermehrt Zeit in den Stream investiert und streame, wann immer es Zeit und Energie zulässt. Für meine Verhältnisse streame ich mit Regelmäßigkeit und erhöhtem Zeitaufwand — das bedeutet 3–4 Streams pro Woche, teilweise sogar mehr. Nach etwa zwei Monaten habe ich hinterfragt, wie denn nun eigentlich die Auswirkungen diese erhöhten Aufwands sind und die Erkenntnis war ernüchternd. Die Auswirkungen auf Zuschauerzahlen, einzigartige Chatter und Follower war sehr sehr gering bis überhaupt nicht vorhanden. Sprich, sie haben sich fast gar nicht verändert. Ich war schon ein wenig enttäuscht, zugegeben.

Dann habe ich, gemeinsam mit dem Chat, hinterfragt: Was kann ich denn noch tun, um meinen Reichweite zu erhöhen? Unsere Ideen* waren recht simpel, aber man sollte sich dieser Basics immer wieder bewusst werden:

(*Kleiner Einwurf: Witzigerweise hätte ich für diese Ideen auch einfach in meinen Streamtagbücher stöbern können und wäre fündig geworden.)

  1. Mehr Abwechslung bieten:
    Zu dem Zeitpunkt habe ich sehr viel Hunt: Showdown gestreamt. Ein tolles Spiel, jedoch mit geringerer Aufmerksamkeit. Deshalb wird es wieder mehr Vielfalt geben. Ohnehin passt Vielfalt einfach gut zu mir und ich bin einfach kein Streamer mit einem langfristigen Hauptspiel oder Hauptprogramm.
  2. Einen regelmäßigen Streamplan mit verlässlichen Zeiten durchziehen:
    Mittlerweile habe ich genug Erfahrungswerte, wie oft und wann, ich es schaffe zu streamen. Die Wahl fiel auf Dienstag, Donnerstag und Sonntag. Der Sonntag war und ist übrigens statistisch mein verlässlichster Streamtag. An keinem anderen Tag habe ich mehr gestreamt.
  3. Mehr Streams oder Projekte mit anderen Streamerinnen und Streamern machen:
    Man kann über die Effizienz von Co-Streams streiten und sicher sind die Auswirkungen moderat. Für meinen bescheidenen Teil ist es jedoch einfach wichtig, dass es überhaupt einen Effekt hat. Zudem habe ich große Freude daran, etwas im Co-Stream zu machen und habe defintiv Bock auf Projekte mit anderen. Daher spreche ich aktiv an, frage freundlich nach und mache mir Gedanken, ob es interessante Formate mit anderen gibt.
  4. Mehr Werbung, für das, was ich tue:
    Eigenwerbung ist immer so ein Thema für mich. Es fühlt sich so an, als würde ich mich aufdrängen oder anbiedern. Andererseits, wenn ich es nicht kommuniziere, wird es auch niemand bemerken. Daher lege ich stärkeres Augenmerk darauf, anzukündigen, zu informieren oder zu erklären, was ich eigentlich so tue. Das führt auch dazu, dass ich damit begonnen habe, Discord mehr zu nutzen und regelmäßig Highlights von interessanten Streamausschnitten zu erstellen.
  5. Mehr Aktivität auf Twitch und Twitter
    Es klingt simpel, aber wer sich auf Twitch als Chatter zeigt, wird gesehen. Ich habe gemerkt, dass ich gern andere Streamer besuche und in deren Chat aktiv bin. Der Gedanke dahinter hat nur sehr wenig mit Werbezwecken zu tun, sondern einfach aus Interesse an anderen Kanälen und Freude am Chatten. Es macht mir Spaß, mich dort zu unterhalten und ich kenne wenige Streamer, die sich nicht über Chataktivität freuen. Ähnlich ist es auf Twitter. Wer Twitch kennt, weiß, dass Twitter eine Plattform für viel Streamerinnen und Streamer ist, auf der sie sich austauschen. Hier aktiver zu sein, eine Stimme und Meinung zu haben oder einfach der offene Typ zu sein, der ich nun einmal bin, betrachte ich als wichtig. Das kann als Mittel zum Eigennutz ausgelegt werden. Keine Frage, dass es so wirken kann. Ich sehe jedoch mehr dahinter:

Ich bin gern Teil der Twitch Community und möchte ein aktiver Teil davon sein. Und das kann ich am besten dadurch sein, indem ich etwas beitrage. Indem ich eben nicht “nur” Streamer bin, sondern auch Chatter, Zuschauer, Kommentator, Empfehler, Ratgeber, Zuhörer oder Diskussionspartner.

Meine Lessons Learned #6

Wie es gute Tradition ist, gibt es am Ende die Zusammenfassung dessen, was ich aus diesem Blogbeitrag gelernt habe:

  1. Content verändert sich ständig, gerade als Vollzeitjobler und Streamer sind es nicht nur die eigenen Vorlieben, sondern auch schlicht die Zeit und die Kraft, die gerade zur Verfügung steht, die den Content bestimmen.
  2. Es ist wichtig, trotz aller Freude am Streamen, auf die eigene körperliche und geistige Gesundheit zu achten und das eigene soziale Umfeld nicht aus dem Blick zu verlieren. Letzten Endes sind dies wichtige Säulen eures Lebens, die das Streamen niemals ersetzen kann. Läuft bei euch? Ok, wann gibt es den nächsten Stream? 🙂
  3. Zahlen sind nicht alles. Sie helfen euch aber dabei, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, Sachverhalte zu belegen und vor allem auch die gefühlte von der echten Wahrheit zu unterscheiden. Ich habe, vor allem im Rückblick auf knapp 1 1/2 Jahre des Streamens, meinen Kanalstatistiken viel Interessantes entnommen.
  4. Es ist von Zeit zu Zeit ratsam, sich auf die Grundfragen des Streamens zurückzubesinnen und auf das aktuelle Streamprogramm zu beziehen. Das heißt auch, in meinem Fall, sich alte Streamtagebücher nochmal zu Gemüte zu führen.

Danksagung #6

Auch die Danksagung soll wie immer hier ihren Platz haben. Dieses Mal gilt mein Dank in ganz besonderem Maße meinen Stammzuschauern. Die letzten Monate habe ich es – vor allem durch euren Support – geschafft, wieder Freude und Kraft für das Streamen zu schöpfen. Ihr haltet mir die Stange, belebt meinen Chat, gebt mir Rat und seid einfach da, wenn ich online bin — ohne zu kritisieren, ohne zu murren. Danke, dass ihr da seid! ❤

Beim Schreiben dieses Beitrages musste ich immer wieder feststellen, wie viel passiert ist und wie toll es ist, dass ich heute da stehe, wo ich bin. Fuck. Es geht weiter und das ist toll!

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