Was ich da so erlebt habe, möchte ich in diesem Eintrag schildern.

Ich habe es meiner Freundin zu Weihnachten geschenkt und damals hatte ich ja keine Ahnung, was ich mir damit eingebrockt habe. Wobei, im Nachhinein denke ich, kann ich nicht einmal so richtig sagen, ob ich es wirklich “eingebrockt” nennen sollte.

Der Konzertverweigerer

Ja, der Gute trug ein Röckchen.
(Photo by @misses_kate)

Ich bin kein Pop-, Rock-, Metal- und Sonstige- Konzertgänger. Zumindest mag ich keine solchen Konzerte, bei welchen man in der Masse steht. Das strengt mich an und ich fühle mich dabei sehr, sehr unwohl. Vor allem wenn gedrückt, geschoben oder gar gepogt wird. Ihr mögt mich für spießig oder langweilig halten, aber mir sind feste Sitz- oder Stehplätze mit ausreichend Platz sehr angenehm.

Als mir dann auch noch meine Freundin eröffnete, dass wir uns 14(!) Stunden vor Konzertbeginn schon anstellen wollen (dort zu übernachten konnte ich zum Glück abwehren), um Teil des sagenumwobenen #teamfrontrow zu werden, schwankte meine Stimmung zwischen Wut, Reue und Schicksalsergebenheit. Aber: Es war ein Geschenk für sie, also wollte ich auch, dass sie sich größtmöglich daran erfreuen kann. Daher überwog die Ergebenheit.

Der Konzertberegnete

Das Konzert fand in der Waldbühne in Berlin statt. Wobei sich das “Waldbühne” schon dadurch bestätigte, dass uns auf dem Weg zur Bühne ein Rudel Wildschweine samt Frischlingsanhang begegnete. Wir wichen lieber aus.

Und dann begann er: Der Regen. Er sollte uns verdammte 14 Stunden begleiten.

Heiße Regenschuhe, oder? (Photo by @misses_kate)

Wir verbrachten die Wartezeit komplett in voller Regenmontur, zumeist stehend, manchmal sitzend, noch seltener bewegend. Vor dem Nebeneingang erhielten wir von einer besonders engagierten Fangruppe (natürlich zumeist weiblich) eine Nummer auf den Arm geschrieben. Ich war Nummer 23. Diese Nummer ermöglichte uns — zusammen mit 100 anderen Auserwählten — bereits 20 Minuten vor dem offiziellen Einlass unsere Plätze in der ersten Reihe einzunehmen, inklusive Security Eskorte. Mit jenen hatte die Fangruppe nämlich dieses besondere Privileg vereinbart.

Was das lange Warten deutlich erleichterte und meine Laune, die nach dem frühen Aufstehen um 4 Uhr und dem Dauerregen mehr als mies war, etwas hob, waren die anderen Wartenden. Besonders interessant war übrigens die Hackordnung unter den Fans sowie Sympa- und Antipathien. Für einen alten Soziologen wie mich war das sehr unterhaltsam. Ebenfalls Balsam für meine bockige Seele waren die neidischen Blicke auf meine Überschuhe, die meine besorgte Tante mir noch mitgegeben hatte. Besonders die modische Farbe sorgte für viel hallo. Das Foto oben sorgte außerdem dafür, dass die Whatsappgruppe der Freundinnen meiner Liebsten ein eigenes Hashtag für mich erfand: #prayforpete

Der Konzertwald

Als es dann für uns vor allen anderen in die Waldbühne ging, schien der Regenverantwortliche im Himmel gerade besonders schlecht drauf gewesen zu sein, denn er trat das Regenpedal noch einmal richtig durch. Als wir dann die mehr als verdiente #frontrow erreichten, konnte man noch einmal die Schönheit der Waldbühne in Ruhe bewundern. Sie hat ihren ganz eigenen Charme: Die Zuschauerränge, die sich schützend über der Bühne erheben und ihrerseits wiederum von Bäumen umringt werden. Man fühlte sich schon etwas verborgen, abgeschottet in einer kleinen Welt für sich.

Als dann die Massen langsam in den Innenbereich und auf die Ränge strömten, wuchs in mir die Sorge, dass es doch sehr eng werden könnte. Also versuchte ich so viel Platz wie möglich einzunehmen. Neben mir kam der Tipp: „Arsch raus!“, was ich pflichtbewusst auch tat. Doch(!) es geschah … nichts, kein Drängeln, kein Gemecker, kein Dazwischenschieben. Vielleicht machte meine „Regenrüstung“ so viel Angst.

Vorband und Konzert

Als Vorband trat Erasure auf. Die vier hatten, glaube ich, in den 90ern ihre große Zeit. Alle waren in die Jahre gekommen, aber gerade der Sänger machte mit erstaunlich gelenkigen Hüftbewegungen auf sich aufmerksam. Alles in allem ein netter Einstieg, obwohl ich fast kein Lied (er)kannte.

Und dann war es soweit.

Eigentlich kann ich nur sagen: Es hörte auf zu regnen und Robbie ist einfach ein großer Entertainer. Seine Band, Tänzerinnen und Backgroundsängerinnen waren klasse. Obwohl gesundheitlich angeschlagen und „etwas moppelig“ (Zitat meiner Freundin) geworden, brachte er das rüber, was ich erwartet habe: Charme, Gesangs- und Tanztalent (Raptalent eher nicht :D) und etwas von einem englischen Gentleman mit frechem Augenzwinkern.

Was ist nun mein Fazit?

  • Das Aufstehen und Warten war hart und die Laune vorab richtig mies.
  • Der Konzertort und das Stehen in der ersten Reihe waren absolut angenehm, selbst für einen „Menschenmuffel“ wie mich.
  • Das Konzert und Robbie haben richtig Bock gemacht.

Und die Frage: Würde ich es mir wieder „einbrocken“?
Ich kann es leider nicht sagen, vielleicht ja. 😉

Euch allen so viel “Heavy Entertainment” wie nur möglich!
Herzlichst,
Euer Peter

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